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Visitenkarte

                   

 

 Powerfrau, zart verpackt 

 

Eine zierliche und hübsche junge Frau, natürlich, immer lächelnd, freundlich und sympathisch, eher bescheiden und zurückhaltend. Etwa so könnte der erste Eindruck sein, wenn man Marcela Krinke Susmelj zum ersten Mal irgendwo begegnet. Umso grösser die Überraschung, wenn man merkt, was für eine Powerfrau da vor einem steht: Erfolgreiche Dressur-Elitekaderreiterin der Schweiz, Mutter von zwei Kindern, Tierärztin und zusammen mit ihrem Mann Ivan Susmelj Betriebsleiterin des Reiterzentrums am Rotsee in Ebikon.  
 
     

Von Susanne Angliker

 
 

Marcela Krinke Susmelj hat ganz viele Seiten. Sie ist eine Frau voller Energie, ein Wirbelwind, intelligent und multitaskfähig. Als Mutter ist sie immer für ihre beiden Kinder da. Sie pflegt ein freundschaftliches und liebevolles Verhältnis zu ihrem Sohn Igor. Tochter Natascha und ihre Mutter sind ein Team. Die Jugendliche würde gern in die Fussstapfen ihrer Mutter treten, liebt das Reiten und verbucht gerade erste Turniererfolge für sich. Wenn es ums Reiten geht, so hat es Natascha etwas einfacher als ihre Mutter damals. Die Tochter der Kaderreiterin wächst auf inmitten von Pferden, mit zwei Reitprofis als Eltern. - Marcela Krinkes erste wirklichen  Kontakte zu Pferden hatte sie als Zwölfjährige. Endlich hatten ihre Eltern ihren sehnlichen Wunsch reiten zu lernen mit einem Reitstundenabonnement als Geburtstagsgeschenk erfüllt. Zuerst bei den Lehrlingen, später bei dem  jungen Reitlehrer Ivan Susmelj, durfte sie ganz in der Nähe Reitstunden nehmen im Reitsportzentrum Galms in Lausen, im Baselbiet. Sie nahm erst Longenstunden, hatte grossen Spass daran, begann mitzuhelfen im  Reitsportzentrum und andere Pferde zu putzen, um zu mehr Reitstunden zu kommen. So konnte sie mit der Zeit immer mehr Pferde reiten. Susmelj sah ihr Talent und förderte sie. Die junge Marcela bekam Privatpferde zum Reiten, konnte die Lizenz machen und mit Nobletto, dem Pferd von Doris Niederhauser, erste ZKV-Starterfahrungen machen. Sie bildete den Fünfjährigen bis Niveau L aus und ritt mit ihm erfolgreich GA- und L-Programme. 

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Erste Starts und Erfolge in Dressurprüfungen
mit "Gitana" von Ivan Susmelj

     
Schule und Reiten unter einem Hut  
 
 

Ob die junge Pferdenärrin nebst der Schule reiterlich immer erfolgreicher wurde, oder ob sie nebst dem Reiten erfolgreich das Gymnasium und die Matura abschloss, ist wohl nicht ganz klar. Fakt ist, dass sie, weil eine Bereiterlehre für ihre Eltern keine Option war, nach dem Gymi begann in Zürich Tiermedizin zu studieren. So konnte sie in der Nähe der Pferde bleiben und am Weekend weiterhin reiten, trainiert von Ivan Susmelj, der seine Ausbildung im slowenischen Staatsgestüt Lipica absolviert hatte. In dieser Zeit wurde aus der Reitlehrer-Schüler Beziehung auch Liebe. Marcela Krinke schloss ihr Studium mit dem Staatsexamen und einem Notendurchschnitt von 5.6 erfolgreich ab. Sozusagen als Entscheidungshilfe wie es weitergehen solle, und auf Wunsch ihrer Eltern, flog die frischgebackene Tierärztin nach Pullman an die Washington State University für ein knapp einjähriges Internship in Kleintiermedizin. Zur Kleintiermedizin hatte Marcela ihr Zürcher Professor Suter geraten. Sie sei eine, die mit dem Kopf arbeiten müsse, hatte er gesagt. An der Washington State University durfte sie dabei sein, als einem Hund eine künstliche Herzklappe eingesetzt wurde. So kam sie mit der Kardiologie in Kontakt und war so fasziniert, dass sie die Lehre vom Herzen zu ihrem Fachgebiet machte und später, zurück in der Schweiz, darüber ihre Doktorarbeit schrieb. Natürlich verbrachte sie auch in Amerika die spärliche Freizeit im Sattel eines Quarter-Horses und vergass den Traum vom Reiten nie.

   
     
Eine turbulente Zeit  
 
Wieder zurück in der Schweiz trat die junge Tierärztin eine Assistentenstelle in Kleintiermedizin im Tierspital Zürich an. Daneben schrieb sie ihre Doktorarbeit und half Ivan Susmelj, der inzwischen in Seedorf, Uri einen Stall gepachtet hatte, den Betrieb in Schwung zu bringen. Sie kaufte Domino, einen 5-jährigen, grossen Fuchs, und bildete ihn zusammen mit Ivan bis S aus. Sie klapperte ganz viele Turniere ab und verbuchte ihre ersten M- und S-Erfolge. Nach drei Jahren Assistentenstelle in Zürich zog Marcela Krinke zu ihrem Lebensgefährten nach Uri, wo 1992 auch Sohn Igor auf die Welt kam. Nebst in ihrer eigenen Kleintierpraxis arbeitete die Tierärztin auch bei Franz Knüsel in der Tierklinik Obergrund in Luzern. Parallel zu Kind, Mithilfe im Reitbetrieb, eigener Kleintierpraxis und der Arbeit in der Tierklinik Obergrund war die begabte Dressurreiterin immer weiter Turniere geritten. Doris Niederhauser hatte von Christine Stückelberger die Stute Corvina gekauft und auch sie Marcela Krinke zur Verfügung gestellt. Bis heute wertet die vielseitig engagierte Reiterin unter anderem Röntgenbilder und Elektrokardiogramme aus, welche ihr Tierärzte aus der ganzen Schweiz zuschicken.  

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"Domino", erstes
 eigenes Pferd, 
 bis S ausgebildet.
 
     

Selbständigkeit und Grand Prix-Karriere


 
 
 

1996, nach fünf Jahren in Uri, bekamen Ivan Susmelj und Marcela Krinke das Angebot das Reiterzentrum am Rotsee zu kaufen. Sie wollten sich schon immer selbständig machen und nutzen diese Gelegenheit. Die Tierärztin verkaufte ihre Praxis, heiratete im Oktober ihren Ivan und zog Huckepack mit Sohn Igor, ein paar Schulpferden, Corvina und Domino, dem an der Hengstkörung in Neumünster zweijährige gekauften Skarletto, schwanger mit Natascha am 1. November nach Ebikon in den Kanton Luzern. Nun, da sie ihre Praxis verkauft hatte, konnte sie sich mehr der Reiterei widmen. Nach der Geburt von Natascha am 7. Mai 1997 engagierte sie sich noch mehr im Reitbetrieb und ritt Domino, Corvina und Skarletto. Eines Tages wurde sie von ihrer Pensionärin Irene Meyer angefragt, ob sie ihr Pferd  Night and Day reiten wolle. Der Schimmel, ein Engländer, war bis Grand Prix ausgebildet. Natürlich wollte sie! So kam es, dass Marcela Night and Day immer öfter und Irene Meyer immer seltener ritt. Sie habe sich das Pferd „sozusagen unter den Nagel gerissen“, strahlt die heutige Kaderreitern, für die diese Begegnung und Zusammenarbeit mit ihrer Sponsorin absolut bestimmend für ihre heutige Karriere war. Night and Day wurde von der jungen Mutter, Tierärztin und talentierten Reiterin bis Inter I vorgestellt. Als er älter wurde, kam die Wienerin. Die kleine Hannoveranerstute war das Sprungbrett zum Grand Prix. Marcela Krinke Susmelj nahm mit ihr in Wermatswil an ihrem ersten Grandprix teil.

 

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"Night and Day" alias "Oscar",
erstes Berittpferd von Irene Meyer,
bis Grand Prix ausgebildet.

     

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Irene Meyers Hannoveranerstute "Wienerin",
erste Grand Prix Erfolge und Auslandstarts.
 
 
 
     

Auf dem Weg zur Weltspitze


 
 
 

Mit Fibrin, dem ersten Pferd, welches Irene Meyer extra für Marcela gekauft hatte, durfte die so jugendlich wirkende Dressurreiterin 2005 an der EM in Hagen starten. Der braune Wallach war ihr erstes Championatspferd und ermöglichte ihr den Einstieg in die internationale Dressurszene. Die Italienerin Laura Conz, welche den Wallach ausgebildet hatte, unterstütze das Paar während den drei aktiven Saisons von 2003 bis 2005. Fibrin ist heute pensioniert und geht in Italien „spazieren“. Sein Nachfolger ist Corinth, mit dem sie erstmals mit der Weltspitze mithalten konnte. Der von Cheenook abstammende braune Wallach wurde von der Sponsorin Irene Meyer 8-jährig gekauft und von Marcela Krinke Susmelj mit Hilfe ihrer damaligen Trainerin Sivlia Iklé aufgebaut. Schon mit 9 Jahren wurde er erstmals von der Ebikonerin national gleich siegreich im Grand Prix vorgestellt, und 10-jährig nahm seine Reiterin mit ihm erstmals an den Weltreiterspielen in Aachen 2006 teil. National holte der Braune und seine Reiterin an den Schweizermeisterschaften 2006 Bronze, 2008 und 2011 Silber, 2009 und 2010 Gold. Internationale Erfolge  folgen prompt wie etwa der Sieg im Grand Prix Spezial 2009 in Salzburg oder in der Grand Prix Kür 2010 in Leipzig. Spätestens aber der phänomenale Erfolg von Corinth und Marcela an den Weltreiterspielen in Kentucky 2010 und dem daraus resultierenden 11. Platz  in der Grand Prix Kür sorgen dafür, dass das Schweizer Dressurpaar fortan auch im Ausland im Spotlight stand. Die zierliche Ebikonerin bleibt auch nach diesen sportlichen Höhepunkten ehrgeizig, aber immer fair gegenüber ihren Pferden. Mit ihren beiden aktuellen Grand Prix Cracks smeyers Molberg und smeyers Lazander ist die Kaderreiterin dank ihrer Sponsorin Irene Meyer auch heute bestens beritten. Seit Anfang 2011 trainiert Marcela unter den wachsamen Augen  des holländischen Trainers Ton de Ridder, der ihr insbesondere auf Turnieren beratend zur Seite steht. Abgerundet werden Marcelas Zukunftspläne im grossen Dressurviereck durch den dritten Dänen im Bunde und zwar von smeyers Sopran, einem 8-jährigen Wallach von Blue Hors Sopran und aktuell das neueste Pferd im Stall der Dressurreiterin. - Marcela ist in der glücklichen Lage ihren Traum zu leben. - Neben der Dressurkarriere bewältigt sie übrigens den ganz normalen Alltagswahnsinn: Büroarbeit und Buchhaltung für das Reiterzentrum, Haushalt und Mutterrolle, Reitlehrerin, Gastgeberin und Organisatorin der Dressurprüfungen Ebikon mit Schwerpunkt regionale Jugendförderung, Kleintierärztin und, und, und...

 

 

Marcela_4 Russenwallach "Fibrin" EM Hagen,
im Besitze von Irene Meyer, trainiert von Laura Conz.

Bild: Valeria Streun

 Portrait von Susanne Angliker (17. Oktober 2009, aktualisiert am 19. Januar 2014/SM)    
     
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"Corinth" Bild: Valeria Streun